Figurenlexikon

Hier finden Sie Informationen zu den Figuren in «Bergünerstein»: Hat die Person wirklich gelebt, oder hat die Autorin sie erfunden? Wann hat sie gelebt? Was weiss man über sie?

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September 1593: Barbara von Planta heiratet Johann Schalkett.

Führende Dame in Brauegn

Duonna Barbara Planta-Schalkett hat wirklich gelebt. Sie war die ältere Schwester von Rudolf von Planta (Chavalier Raduolf) und Pompejus von Planta, die in den Bündner Wirren eine zentrale Rolle spielten. Als Vertreterin dieser mächtigen Familie und Ehefrau des Podestà Johann Schalkett (Sar Giannin) war sie im Bergün um 1600 zweifellos die führende Dame.

In den Quellen hat sie trotzdem nur wenige Spuren hinterlassen: Das Kirchenbuch von Bergün vermerkt ihre Heirat mit Sar Jann Schalkett im September 1593, und das Staatsarchiv Graubünden bewahrt einen Brief von ihr an Johann von Salis-Samedan (Vicari Żon) vom Februar 1610.

Stiefmutter

Anna von Planta Prevosti, die jüngere Schwester von Barbara, Rudolf und Pompejus, erscheint im Zusammenhang mit dem Thusner Strafgericht von 1618 mehrmals in den Quellen: vor dem Strafgericht wie auch vor dem Bundestag fordert sie, dass ihr Anteil am väterlichen Erbe aus dem Besitz von Rudolf auszuscheiden sei, bevor dieser konfisziert würde. Zweifellos hatte auch Barbara von Planta in Zernez Vermögenswerte geerbt, wahrscheinlich landwirtschaftliche Grundstücke.

Hauslehrerin für die Kinder

Barbara von Planta wurde vor 1569 geboren. Zu Beginn der Handlung von Band I ist sie demnach ungefähr 35 Jahre alt. Sie hatte vier Kinder: Chiatrina, Balthasar, Rudolf und Barbla. Diese Kinder erzieht sie in «Bergünerstein», wie es sich für Sprösslinge des Herrenstandes gehört. Die Mädchen lernen Lesen, Schreiben, Sticken und Haushaltsführung, die Knaben erhalten eine höhere Bildung und werden auf eine Ämter- oder Militärlaufbahn vorbereitet. Nachgewiesen ist, dass Balthasar 1615 an der höheren Schule in Zürich als Student eingeschrieben war.

Podestà Johann Schalkett verstarb im Oktober 1618, zum Ärger der Ankläger am Thusner Strafgericht, die ihn gerne wegen seiner Teilnahme am Zuozer Einverständnis von 1612 belangt hätten. (Das Gericht lehnte das Ansinnen der Bergüner ab, statt Johann Schalkett dessen Erben vorzuladen.)

Duonna Barbaras Erbe

Im Bergüner Estim von 1622 wird Barbara von Planta weder als Erbin noch als neues Familienoberhaupt genannt. Wahrscheinlich war sie ebenfalls verstorben. Im Roman verlässt sie Bergün nach dem Tod ihres Mannes.

Von den vier Kindern scheinen nach 1622 nur noch Rudolf und Barbla in Bergün gelebt zu haben. Chiatrina hatte bereits 1617 Sar Jan Liun, einen Verbündeten ihres Onkels Rudolf, geheiratet und war mit ihm nach Zernez gezogen. Balthasar wurde im Januar 1620 vom Strafgericht in Davos gefoltert und lebte danach in Zernez, wo er später das Amt des Landammanns (Mastrel) bekleidete. 1633 stand er als Hauptmann in französischen Diensten.

2. Januar 1617: Chiatrina Schalkett heiratet Jan Liun von Zernez.

Namensvetterinnen

Der Name Barbara bzw. Barbla war in der Familie Planta-Wildenberg häufig. Duonna Barbara hatte gleich zwei nähere Verwandte, die ebenfalls Barbara von Planta-Wildenberg hiessen. Die eine war die Mutter des Abtes Sebastian von Castelberg, die andere eine jüngere Schwester ihres Vaters Balthasar.

Diese Tanta Barbara von Planta war ebenfalls mit einem Johannes Schalkett aus Bergün verheiratet, der 1549 als Landammann genannt wurde und wahrscheinlich der Grossvater von Podestà Johann Schalkett war.

Eine Übersicht über die komplizierten Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den Schalkett und den Planta bzw. den Castelber bieten die entsprechenden Stammbäume «Die Verschwägerung der Schalkett mit den Planta» und «Die Planta-Wildenberg und Abt Sebastian Castelberg».

 

Quellen/Bildnachweis

Kirchenbuch Bergün, GA Bergün/Staatsarchiv Graubünden (Mikrofilm)

Brief von Barbara von Planta an Johann von Salis-Samedan, 11. Februar 1610, StAGR D II a3

Brief von Hauptleuten in frz. Diensten vom 28.6.1633, unterschrieben u.A. von Balthasar Schalkett, StAGR D V/3.230.124

 

Literatur

Juvalta-Cloetta, L.: Einige Notizen über die Schalchett'sche Familie. Bündnerisches Monatsblatt, 1930

Sprecher von Bernegg, Fortunat; Mohr, Conradin von; Planta, Peter Conradin: Stemmatographia [...] der Familie Planta, 1898

Färber, Silvio: Der Bündnerische Herrenstand im 17. Jahrhundert. Zürich, 1983

Grimm, Paul Eugen: Die Anfänge der Bündner Aristokratie im 15. ud 16. Jahrhundert. Zürich, 1981

Bonorand, Conradin: Bündner Studierende an höhern Schulen der Schweiz und des Auslandes im Zeitalter der Reformation und Gegenreformation. Jahresbericht der Historisch-Antiquarischen Gesellschaft von Graubünden, 1949.